Das Rollenspiel Evergore ist eines der beliebtesten deutschen Browsergames dieses Genres. Evergore glänzt nicht nur durch ein Fehlen jedweder Premiumleistung, auch das GamePlay, sowie die Engine und die Community sind beispiellos.
Wir haben mit den Entwicklern Mathias Hofmann und Oliver Bohnes über ihr Spiel gesprochen und sie über weitere Projekte, ihre Meinung zum derzeitigen Browsergamemarkt und vieles mehr ausgefragt.
GamesSphere: Schönen Guten Tag, Mathias und Oliver. Stellt euch doch bitte einmal kurz vor, bevor wir richtig loslegen.
oliver & Mathias: Wir sind 27 und 28 Jahre alt und arbeiten beide in Frankfurt.
Oliver arbeitet als Consultant für eine Firma, die Banken-Software herstellt und Mathias als Programmierer für ein Internetunternehmen und erstellt Webseiten für Kunden.
GamesSphere: Evergore läuft nun schon seit einigen Jahren und das Interesse ist weiterhin ungebrochen. Wie schafft ihr es, trotz Beruf auch
weiterhin für die Community und das Spiel die nötige Zeit aufzuwenden? Habt ihr überhaupt noch richtige Freizeit?
oliver & Mathias: Wenn man ein Spiel entwickelt und auf so lange Zeit betreibt und betreut, sollte es langfristig zum Hobby werden und einen Ausgleich zum Beruf darstellen.
Sobald hier eine berufsähnliche Verpflichtung entsteht, könnten wir uns vorstellen, dass man solch ein Projekt nicht auf Dauer betreiben wird und es vorzeitig aufgibt.
Es ist wichtig, für die Community immer ansprechbar zu sein, was jedoch auch machbar ist, wenn man nur bedingt Freizeit hat.
Die Präsenz und das Gefühl, dass Meinungen oder Kritik zur Kenntnis genommen werden ist hier wohl wichtiger als die wirkliche Zeit.
GamesSphere: Bevor wir weiter ins Detail gehen, würde ich euch bitten Evergore näher zu beschreiben und uns darüber aufzuklären, welche Aufgabenbereiche ihr jeweils bearbeitet.
oliver & Mathias: Eine strikte Aufgabentrennung gibt es bei uns nicht, da dies mit zwei Entwicklern, die beide noch hauptberuflich arbeiten, nur bedingt möglich ist.
Entscheidungen werden bei uns grundsätzlich zusammen getroffen. Wir haben unsere Zuständigkeiten für das Projekt soweit aufgeteilt, dass sich Oliver um die Programmierung der Funktionalität kümmert und Mathias um das Layout und Design sowie die Server Administration.
GamesSphere: Evergore bietet den Neueinsteigern, sowie den Fortgeschrittenen diverse Anleitungen, Guides und eine sehr ausführliche Wiki. Habt ihr noch zusätzliche Mitarbeiter oder macht ihr tatsächlich alles im Alleingang?
oliver & Mathias: Bis auf die Anleitungen, wurden alle Guides und auch das Wiki von der Community in Eigenkoordination erschaffen.
Wir haben lediglich allgemeine und technische Unterstützung geleistet, wenn diese benötigt wurde.
Vorallem am Umfang des Wiki sieht man die Leidenschaft und den Zusammenhalt der Community, den sie in eigene kleine Projekte investiert, um sich und anderen Mitspielern zu helfen.
Im Spielersupport und bei der Forenpflege werden wir von einigen Moderatoren unterstützt.
GamesSphere: Trotz der großen Anzahl an Evergorespielern, habt ihr bisher keine Premiumaccounts oder -items eingeführt. Wie finanziert ihr euch und was ist euer Beweggrund kostenfrei zu bleiben?
oliver & Mathias: Die Hardware finanziert sich durch die Werbung. Da wir Evergore seither als Hobbyprojekt betreiben, sehen wir keinen Grund, einen zwanghaften kommerziellen Nutzen daraus zu ziehen.
Inzwischen wird der Markt von kostenpflichtigen 08/15 Browserspielen überflutet, die nur mit ihrer Grafik eine Handvoll Spieler kurzfristig ansprechen können.
Bis auf wenige Features wird dort leider zu oft nur ein Konzept angeboten, was bereits mehrfach, sogar im gleichen Genre, umgesetzt wurde.
GamesSphere: Mitte Juni konntet ihr vermelden, dass der Umstieg auf die neue Rebirth-Engine abgeschlossen wurde. Was hat sich seit dem verändert? Laut eurem Änderungsprotokoll seid ihr ja dauerhaft mit Verbesserungen beschäftigt.
oliver & Mathias: Seit der erfolgreichen Umstellung auf die Rebirth Engine hat sich viel verändert. Performance war früher immer ein großes Problem, da die Mengen an Daten, die für die Echtzeitverarbeitung benötigt wurden, ständig von der Datenbank abgefragt werden mussten.
Da die Rebirth Engine alle Daten direkt im Speicher hält, ist sowohl die Webseitenerstellung als auch die Echtzeit-Ereignisverarbeitung sehr performant geworden.
GamesSphere: Evergore muss nach fast 4 Jahren schon ein ganz gewaltiger Haufen Code sein. Gibt es nicht Momente, in denen ihr einfach alles hinschmeißen wollt?
oliver & Mathias: Durch die Umstellung auf die Rebirth Engine wurde der Code mehr oder weniger komplett neu geschrieben und bekam auch eine pflegeleichtere Struktur.
Auch die Webseiten wurden überarbeitet und in ein speziell angefertigtes Content Management System umgebaut. Die Datenpflege der Webseite und des Quellcodes sind gegenüber früher nun ein Kinderspiel.
Sicherlich gibt es immer wieder Phasen, wo man sich über gewisse Situationen aufregt oder darüber nachdenkt, ob das Projekt mal abgeschlossen sein sollte. Aber wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet, hat sich die Spielerzahl kontinuierlich erhöht, ohne dafür neue Welten / Server anbieten zu müssen.
GamesSphere: Der Erfolg von Evergore lässt vermuten, dass ihr ein gutes Händchen für Browsergames und die Wünsche der Spieler habt. Schon mal über ein neues Projekt nachgedacht oder überlegt Browsergames hauptberuflich zu betreiben?
oliver & Mathias: Sicherlich haben wir sowohl über mögliche Folgeprojekte nachgedacht, jedoch haben wir für uns beschlossen, diese Ideen und Möglichkeiten ausdrücklich nur niederzuschreiben, bis mindestens die Roadmap von Evergore abgearbeitet ist.
Da wir gegen eine Kommerzialisierung von Evergore sind, können wir den Gedanken des hauptberuflichen Browergame-Betriebs nicht weiterführen. Zur Zeit befinden wir uns aber beide in sehr anspruchsvollen und interessanten Berufen, die wir mit einer Umstellung unseres Hobbys zur hauptberuflichen Tätigkeit nicht riskieren wollen.
GamesSphere: Große Firmen, wie die Bigpoint GmbH oder die Gameforge AG, machen derzeit von sich reden. Was denkt ihr über die derzeitige Entwicklung der deutschen Browsergameszene und was ist eure persönliche Einschätzung der weiteren Entwicklung?
oliver & Mathias: Zu unserem Bedauern müssen wir sagen, dass wir die deusche Browsergame Szene in einer andauernden Kommerzialisierungsphase sehen.
Die erscheinenden Spiele werden immer professioneller und sind dauerhaft nur noch mit Premium Accounts spielbar, wenn man in den oberen Rängen mitspielen will. Spieler, die den Sinn in Spielen sehen, ganz oben mitzuspielen, sind indirekt gezwungen, Geld zu bezahlen, da ihnen sonst wichtige Spielinhalte verwehrt bleiben.
GamesSphere: Was wird uns in näherer Zukunft bei Evergore an Neuerungen erwarten?
oliver & Mathias: Als nächstes werden wir Diebstahl und Sabotage im Spiel implementieren. Da dieses Feature schon seit langem mit Spannung erwartet wird, sind die Erwartungen sehr hoch und wir hoffen sie mit dem geplanten Umfang erfüllen und gerecht werden zu können.
Ein weiteres Feature wird der Tempel sein, in dem Waffen mit magischen Verzauberungen dauerhaft verbessert werden können.
GamesSphere: Vielen Danke für eure Zeit und weiterhin viel Erfolg mit Evergore!