Fast ein Jahr ist vergangen, seit wir das erste Mal ein Interview mit Empire Online Betreiber Michael Lars veröffentlicht haben. Seit dem hat sich in dem Strategiebrowsergame eine Menge getan. Wir sprechen mit Michael über die Tücken einer Browsergamegeburt, über die EO-Community und natürlich über das Spiel selbst.
GamesSphere: Schönen guten Tag, Michael. Einige unserer Leser kennen Dich wahrscheinlich noch aus unserem ersten Interview mit Dir. Seit dem ist jedoch fast ein Jahr vergangen, drum möchte ich Dich bitten Dich unseren neuen Lesern kurz vorzustellen.
Michael: Vielen Dank an der GameSphere-Team für diese Einladung zum Interview. Ich heisse Michael Lahrs und bin 38 Jahre und habe 2 Kinder. Ich bin Informatiker und bin Entwickler von Empire Online, was heissen soll, dass ich Mädchen für alles bin. Ich mache das Game-Design, programmiere es dann und mache die grafische Gestaltung, ich kümmere mich um den Support und um den Server. Eigentlich bin ich täglich mehrere Stunden im Forum anzutreffen. Hobbys sind neben dem 3D-Rendering, dem Lesen und Spielen (nicht nur Computerspiele) vor allem meine Kinder und das Reisen, akuell komme ich hier nicht raus, aber ich habe schon ein wenig von der Welt gesehen.
GamesSphere: Empire Online existiert nun schon seit Mitte 2006 und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Wie ist Deine persönliche Bilanz Deines Projektes nach der bisherigen Laufzeit?
Michael: Ja, die Beta hat im Sommer 2006 begonnen, und die erste offizielle Runde war genau vor einem Jahr. Ich muss schon sagen, dass am Anfang nicht alles zu meiner Zufriedenheit gelaufen ist, ich war ein Newbee in dem Browsergame-Bereich und hatte keine Erfahrungen als Moderator, oder ähnliches. Da gab es viel zu lernen für mich und natürlich habe ich Fehler gemacht, aus denen man bekanntlich klüger wird. So hat zum Beispiel gleich bei der ersten Runde ein großes Spieleportal mit 80-100 Spielern versucht unser Spiel zu übernehmen, was natürlich zu viel Reiberein geführt hat. Mittlerweile sind wir aber diesen Kinderschuhen entwachsen, ich habe eine Breite Unterstützung bei der Community und die Moderatoren und Supporter tuen Ihren Teil, dass alles geregelt und freundlich bleibt.
GamesSphere: Am 22.11. startete bei EO bereits die dritte Welt. Was empfiehlst Du Neueinsteigern, wenn sie sich registrieren? Was sollte man als angehender User beachten und welche Hilfen bietet EO?
Michael: Wir verfügen mittlerweile über eine ganze Pallete von Hilfen, da sollte für jeden etwas dabei sein. Neben der klassischen Ingame-Hilfe, habe ich noch ca 1 Std. Lernfilme aufgenommen, also ingame-Videos, wo ich alles erläre, alles in Kapiteln aufgeteilt, damit ist der Einstieg sehr vereinfacht worden. Und selbst erfahrene Spieler, werden hier noch den ein oder anderen Tip hören, den sie noch nicht kannten. Eine weitere Besonderheit ist das Mentoren-System, neue Spieler unter 100 Ausbau können einen alten Spieler fragen, die sich in jeder Runde als Lehrer zu Verfügung stellen. Diese Mentoren können direkt in den Account des Schülers gehen, um ihm zu helfen oder Sachen zu zeigen. Und sonst stehen wir ja eigentlich Rund um die Uhr im Forum für die Klärung von Fragen zur Verfügung.
GamesSphere: Neben Welt 2 und 3, die meines Wissens nach Endlosrunden sind, gibt es immer noch Welt 1, den Kern von Empire Online. Was hat es mit dem Sturm auf Rom und den Romani auf sich?
Michael: Ja, das eine wirkliche Besonderheit von Empire Online, die ich noch bei keinem anderen Browsergame gesehen habe. Das Spiel in welt 1 läuft ein wenig schneller als in den anderen beiden Welten. Durch erhöhte Produktion, ist dafür begrenzt, man kann maximal 9-10 Dörfer gründen, nicht wie in der anderen Welten unendlich. Dann zum Ende des Spiels gibt es die Schlacht um Rom, 10 erfahrene Spieler (Verteidiger Roms, die Romani) bauen eine Festung um die Hauptstadt, und spielen gegen den Rest der Welt. Ihre Aufgabe ist es die Stadt zu halten und alle anderen zurückzuschlagen, gewonnen hat die Allianz, die als erstes Rom eingenommen hat. In dieser Runde haben wir das System noch ein wenig verfeinert, jetzt ist es notwendig ein begehrtes und begrenztes Item zu erobern um gegen Rom ziehen zu können. Das wird den ersten Ansturm ein wenig drosseln, da sich die Allianzen erstmal gegenseitig die Items abjagen müssen.
GamesSphere: Für diejenigen von uns, die sich bisher noch nicht mit Empire Online beschäftigt haben: Worum geht es eigentlich? Womit beschäftigen sich die User Tag ein, Tag aus?
Michael: Es gibt sehr viele Möglichkeiten innerhalb des Spiels, wie man auch schon innerhalb der Allianz-Profile sehen kann, da gibt es Kriegsminister und Diplomaten, Börsenprofis und Baumeister. Natürlich besteht der Alltag des Spiels in erster Linie aus dem Aufbauen und Sicherung seines Reiches, build and raid, aber gerade die Börse erfordert schon Kenntnisse und das Studieren der Kurse um maximale gewinne zu erzielen. Und auch Allianz-Kriege wollen von langer Hand vorbereitet sein oder sie werden von den Diplomaten durch Absprachen wieder zum Friedlichen geregelt. Das Spiel ist vielseitig und sehr viel läuft ausserhalb des offiziellen Forums über ICQ oder Allianzforen.
GamesSphere: Ein Browsergame aus der Taufe zu heben ist keine Kleinigkeit, erfolgreich zu werden ist um so schwerer. Gab es Momente in denen Du einfach alles hinschmeißen wolltest? Was motiviert Dich weiterzumachen?
Michael: Ja, ich glaube, das gehört auch dazu, es ist nicht immer Sonnenschein, und wenn man nicht die Nacht erlebt hat, kann man nachher das Licht nicht genießen. Es gab den Punkt, wo ich als Entwickler einfach keinen finanziellen Erfolg gesehen habe, ich habe Monate in die Entwicklung investiert, und die Spieler waren einfach nicht bereit, das Spiel mit 3€ im Monat zu unterstützen. Aber das geht nicht, also das kann sich niemand leisten, zu arbeiten und kein Geld dafür zu bekommen, andererseits wollte ich das Spiel nicht durch Mehrwertverkäufe ausschlachten, da mir das als Spieler auch nicht gefällt. Wenn ich verliere ist das in Ordnung, aber wenn ich nicht weiss, ob ich schlechter war, oder der andere einfach mehr Geld investiert hat, dann verdirbt es mir den Spielspaß. In dieser Phase hat mich dann unser Hauptsupporter(Sisco) aufgefangen, der absolut überzeugt von dem Spiel ist, und der alles dran gesetzt hat, dass es nicht ausstirbt...Feiner Kerl, der Sisco :-)
GamesSphere: Wie jedes andere Browsergame, lebt auch Empire Online von seiner Community. Wie würdest Du die EOler beschreiben und wie kommst Du mit den Usern zurecht?
Michael: Gerade ist im Forum eine kleine Welle im aufkommen, mir bei jeder Gelegenheit Blumen in die Hand zu drücken, also andauernd bedankt sich jemand bei mir, für den guten Support, oder die schnelle Beantwortung der Fragen, mir ist das ehrlich gesagt ein wenig peinlich. Aber damit muss ich wohl leben. Ich würde sagen, ich fühle mich nicht so als Chef oder Organisator, sondern eher als Spieler, der auch mal Blödsinn macht und redet. Von daher würde ich sagen, dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu der Community habe, es ist nicht alles so bierernst bei uns, und bisher musste ich auch nie jemanden Sperren, bis auf diese besagte 1. Runde in der alles drunter und drüber ging. Auch wenn man mal Unterstützung braucht, ist sofort jemand bereit sich einzubringen, wir haben schon eine super Verhaltnis. Und viele Spieler bleiben für mehrere Runden oder kommen nach 3-4 Monaten wieder.
GamesSphere: Was ist Deiner Meinung nach das Herzstück von Empire Online? Worauf bist Du besonders stolz?
Michael: Das lässt sich so nicht so einfach beantworten, wie schon oben erwähnt zählt die Schlacht um Rom wohl zu der Besonderheit in Empire Online, aber auch die Börse ist meines Wissens in dieser Form einmalig. Vielleicht noch etwas das noch nicht erwähnt wurde, die Bedienbarkeit stand bei der Entwicklung vor dem Design, trotz des großen Umfangs des Spiels sind alle Funktionen klar ersichtlich und meist mit einem direkten Klick erreichbar.
GamesSphere: Du hast Empire Online mehr oder weniger alleine auf die Welt gebracht, betreut und weiterentwickelt. Welche Tipps kannst Du angehenden Entwicklern mit auf den Weg geben, damit sie an der Aufgabe nicht verzweifeln?
Michael: Gerade den Hobbyentwickler möchte ich raten, sich von Anfang an Gedanken über die Gestaltung / das Design zu machen, es gibt viele Projekte mit hohem technischem Anspruch, die (für mich) unspielbar sind, da sie zum großen Teil aus einfarbigem Text bestehen. Ansonsten kann ich dazu nicht viel sagen, ohne einem konkreten Projekt vor Augen, jedes Projekt hat seine eigenen Schwierigkeiten und Vorzüge, sodass man da keine allgemeingültigen Richtline geben kann, dafür ist die Entwicklung solcher Projekte auch zu komplex. Vielleicht noch eins, lieber klein anfangen und das vernünfig fertigstellen und dann weiterentwickeln, als gleich DAS Mega-Projekt in Angriff zu nehmen, das dann niemals bugfrei wird.
GamesSphere: Vielen Dank für Deine Zeit und weiterhin viel Erfolg mit Empire Online!
Michael: Ich habe zu Danken für diese Möglichkeit Euch und den Lesern die Antike Welt mit historischen Schlachten von Empire Online ein wenig näher bringen zu können.