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Sterben Spieldemos aus?

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07.03.2018 - Wer zur ersten Generation an Gamern gehört, die sich noch monatlich über die PC Games oder Gamestar Disketten und CDs mit den neuesten Spiele-Demos eingedeckt hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass sich die Anzahl der zur Verfügung stehenden Demoversionen zu Spielen in den letzten Jahren deutlich verringert hat. Doch was ist aus dem beliebten Werbemittel geworden?

Gibt es andere Arten, den Spielern die Spiele näher zu bringen und unterscheidet sich die gewählte Art eventuell von Genre zu Genre oder Plattform zu Plattform?

Spieledemos und Alternativen im Jahr 2018

Keine Frage, es gibt sie noch, die Demoversionen. Auf Chip.de wird beispielsweise regelmäßig die Top 100 der beliebtesten Spiele Demo-Downloads aktuell gehalten und es finden sich hier durchaus auch Hochkaräter wie FIFA 18, Pro Evolution Soccer, Sims, StarCraft 2 oder auch Age of Empires und Call of Duty. Die Tatsache aber, dass ein drei Jahre altes Spiel wie FIFA 15 noch immer auf Rang 23 in der Top 100 Liste kursiert zeigt, dass das Angebot an qualitativ hochwertigen Demos deutlich nachgelassen hat.

Auch fällt auf, dass ein Großteil der Spiele altbekannte Serien sind, die traditionell immer auf Demos gesetzt haben und dies bis heute tun. Doch was ist mit den übrigen AAA-Titeln, Neuentwicklungen und modernen Games, für die es noch nicht einmal mehr eine Retail-Version gibt?

Andere Konzepte neben klassischen Demos

Heute gibt es eine Reihe verschiedener anderer Möglichkeiten, die die Hersteller und Publisher nutzen, um ihre Spiele einerseits bekannt zu machen und andererseits auch den Spielern das Spielkonzept näher zu bringen.

Early Access: Ein beliebtes Mittel sind Early-Access Zugänge für Spiele. Hierbei kann der Spieler für kleines Geld einen Zugang zur Entwicklungsversion des Spiels kaufen. Teilweise ist der Zugang auch kostenlos möglich. Derzeit findet man alleine auf der Spieleplattform Steam rund 250 Spiele, für die es einen Early-Access Zugang gibt. Mit dem Kauf der Entwicklerversion kauft man sich auch gleichzeitig das fertige Spiel - sofern es denn irgendwann erscheint - zum reduzierten Preis. Bekannte Vertreter dieser Vermarktungsmethode sind beispielsweise Playerunknown"s Battlegrounds, DayZ, Rust oder auch Fortnite und Quake Champions. Mitunter befinden sich die Spiele Jahre lang in der Alpha-Phase und die Spieler spielen ein nicht fertiges Spiel und bezahlen bereits dafür. Das Konzept ist verhasst und geliebt gleichzeitig.

Free 2 Try: Beim Free 2 Try Konzept wird dem Spieler die Möglichkeit geboten, ein kostenpflichtiges Angebot vor dem Abschluss eines Abos oder Vertrages kostenlos zu testen. Besonders beliebt ist dieses Prinzip bei Spielen, für die ein Abonnement abgeschlossen werden muss, wie beispielsweise monatliche Abos für MMORPGs oder auch Spiele, bei denen der Spieler echtes Geld einzahlen muss. So erlauben es Online-Casinos dem Spieler zum Beispiel, Automaten auszuprobieren, bevor echtes Geld eingezahlt werden muss. Im Gegensatz zu Demoversionen sind diese kostenlosen Probespiele aber in der Regel zeitlich begrenzt oder beinhalten eine bestimmte Anzahl an Spielen oder Free Spins, um beim Casino-Beispiel zu bleiben. Auch sehr beliebt ist dieses Modell in anderen Unterhaltungsbereichen wie beispielsweise bei Streaming-Plattformen, die 30-tägige kostenlose Probezeiten anbieten.

Free 2 Play: Ein weiteres beliebtes Konzept ist das Free2Play-Konzept. Dieses Prinzip hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Einer der Hauptauslöser war der harte Kampf um Smartphone- und Tablet Spiele. Die Entwickler von hochkarätigen Spielen hatten es hier schwer, da kaum jemand bereit war, mehr als 5€ für ein Smartphone-Spiel zu zahlen, sodass ein neues Konzept her musste. Hier kam das  insbesondere auf dem asiatischen Markt unter MMORPGs beliebte Free2Play-Konzept gerade recht. Mittlerweile gibt es eine ganze Heerschar an spielen, die komplett kostenlos spielbar sind. Auch bekannte Franchise-Spiele wie Battlefield gibt es mittlerweile als Free-2-Play-Variante.

Auch die größten eSport-Spiele der heutigen Zeit - namentlich Dota 2 oder League of Legends - sind komplett Free2Play. Einnahmen werden durch kosmetische - oder anderswo die weniger beliebten pay-2-win - Gegenstände im Spiel erzielt. So können Spieler das Spielerlebnis verbessern, wenn sie im Spiel Mikrotransaktionen durchführen und virtuelle Gegenstände kaufen. Wie stark dieser Markt zugenommen hat, zeigt sich auf beeindruckende Weise an der Umsatzentwicklung von Blizzard und seinen Tochterunternehmen King um die mobilen Spiele Candy Crush un Co. Im Jahr 2017 konnte über DLCs und Ingame-Verläufe ein Umsatz von mehr als 4 Milliarden Dollar erzielt werden - Unglaublich.

Werbeeinblendungen: Insbesondere im mobilen Sektor aber auf bei Browserspielen ist es ein beliebtes Konzept, das volle Spiel kostenlos anzubieten, aber mit Werbeeinblendungen zu versehen. Dies ermöglicht es einerseits, viele Spieler zu gewinnen. Auf der anderen Seite ist es aber sensibel zu handhaben, denn auch wenn es sich um ein Free2Play-Spiel handelt, reagieren Spieler negativ auf übermäßige Werbeeinblendungen. Meist können über ein VIP- oder Premium-Modell die Werbeeinblendungen unterbunden werden. Dieses Konzept wird aber zunehmend von Free2Play-Spielen mit Mikrotransaktionen abgelöst.

Unterschied zwischen Konsole, Smartphone und PC

Auffällig ist auch, dass beispielsweise der Free2Play-Markt stark PC- und mobil geprägt ist. So zeigt die Top 10 Free2Play Liste von Gamestar überwiegend reine PC-Spiele und Konsolenspieler gehen weitestgehend leer aus. Doch ist das wicklich so?

Konzeptwandel auf Konsolen

Der Erfolg der Ingame-Verkäufe wirft seinen Schatten seit Kurzem auch auf den Konsolenmarkt. Zwar ist das Angebot hier noch deutlich überschaubarer als in den App-Stores oder auf dem PC, aber es wandelt sich. Insbesondere Anbieter, die ihr Spiel als Cross-Platform Spiel entwickeln, setzen auch auf der Konsolenversion auf das gleiche Konzept. Das gilt beispielsweise für Spiele wie Paladins, Skyforge oder auch Fortnite. So kommen auch Konsolenspieler in den Genuss von Triple-A-Titeln, die gratis heruntergeladen und gespielt werden können. Dies war längst nicht immer so, denn üblicherweise mussten Spieler für Konsolenspiele deutlich tiefer in die Tasche greifen als für das Pendant auf dem PC. In Zeiten, in denen sich die Konsolen zu Multimedia-Plattformen mit Browser und schnellem Internetzugang gewandelt haben, bricht diese Diskrepanz auf.

Demoversionen auf Konsolen

Nach wie vor sind Spieledemos auf Konsolen sehr beliebt und werden deutlich häufiger heruntergeladen als Demoversionen für den PC. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Spiele mitunter deutlich teurer sind, sodass dem Spieler eine Möglichkeit geboten wird, das Spiel über eine kostenlose Demo ausprobieren zu können, bevor man es kauft. So beinhaltet beispielsweise auch die Playstation-VR-Brille eine Demo-CD mit einer Auswahl an Top-VR-Spielen. Diese Demos waren so beliebt und wurden so gut angenommen, dass Sony gleich noch ein zweites Paket zum Download hinterherschob.

Abomodelle auf PCs

Ebenso auffällig ist, dass es im Konsolenbereich kaum Spiele gibt, die auf monatlichen Abogebühren beruhen. Während klassische MMO-Spiele auf dem PC häufig an monatliche Gebühren gekoppelt sind, konnte sich dieses Konzept auf Konsolen nie wirklich durchsetzen. Stattdessen wird der Spieler auf der Konsole zunehmend für die Online-Erfahrung an sich zur Kasse gebeten. Nach dem Playstation Plus Prinzip wird auch auf Nintendos Switch ein monatlicher Beitrag fällig, um Spiele online spielen zu können. Dies macht die Hürde für Spieler noch größer, zusätzlich für ein Spiel nochmals einen monatlichen Beitrag zu zahlen.

Fazit

Nach wie vor sind Spieledemos - insbesondere auf Konsolen - ein probates Mittel, den Spielern ein Spiel näher zu bringen, sodass sie es vor dem Kauf kostenlos ausprobieren können. Allerdings wird das Demokonzept zunehmend von Alternativen wie Free2Play, Free2Try und vergünstigten Early Access Modellen abgelöst.

  • Quelle: Redaktion

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