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Fußballmanager damals und heute: Was ist eigentlich passiert?

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07.05.2018 - Spieler, denen Namen wie Bundesliga Manager, Hattrick und Anstoss noch ein Begriff sind, werden längst bemerkt haben, dass das Genre inzwischen beinahe ausgestorben ist. Zumindest im klassischen Sinne, denn die Auswahl online ist größer denn je.

Der 25. Oktober 2013 war für viele Old-School-Spieler ein schwarzer Tag. Als die kanadische Spieleschmiede EA nämlich verkündete, dass es für den EA Sports FM 14 keinen Nachfolger mehr geben würde, war klar, dass eine Gaming-Ära zu Ende ging. Doch diese Hiobsbotschaft kam nicht einmal überraschend. Schon lange war der Niedergang der Fußballmanager-Spiele abzusehen. Nennenswerte Titel gab es neben der EA-Reihe schon lange nicht mehr, was auch daran lag, dass der einstige Platzhirsch Anstoss längst begraben war.

Dabei hatte gerade die Anstoss-Serie unglaubliche Erfolge gefeiert. Die Neunziger Jahre waren das Jahrzehnt von Ascaron: Ein kleines Studio in Gütersloh, mitten im Ruhrgebiet, schaffte es tatsächlich, den wohl besten Fußballmanager aller Zeiten zu entwickeln. Zuerst kam Anstoss, dann Anstoss 2, das mit der Gold-Edition noch veredelt wurde, und schließlich gab es mit Anstoss 3, das selbst heute noch ausgezeichnet spielbar ist, vermutlich die Krönung des gesamten Genres.

Verantwortlich für die Trilogie war ein gewisser Gerald Köhler. Und hier wird es filmreif: Denn da sich EA entschloss, ebenfalls ein Stück vom lukrativen Kuchen haben zu wollen, wurde Köhler einfach abgeworben. Er übernahm die Führung der damals neuen Managerreihe von EA, während Anstoss 4 ohne seine Beteiligung entwickelt wurde.

Das Ergebnis ist bekannt: Anstoss 4 wurde nicht zuletzt wegen technischer Unausgereiftheit zum Desaster. Weitere Kritikpunkte: In dem Willen, alles noch besser zu machen, wurden viele Elemente aus Anstoss 3 entfernt, doch die neuen Features kamen dem Spielfluss nicht gerade entgegen. Spätestens durch diese Verschlimmbesserung war das Ende besiegelt und EA konnte den deutschen Markt problemlos dominieren. Dass Anstoss 4 mit der nachgeschobenen Edition 03/04 viele Mängel beseitigen und die Fans besänftigen konnte, änderte nichts mehr an der Abwärtsspirale.

Casual Games übernahmen die Führung

Dass Jahre später auch EA die Segel strich, lag allerdings nicht an einem weiteren Personal-Drama. Die Ursachen waren (und sind) deutlich größer. Mit dem Internet veränderte sich der Gaming-Markt entscheidend, Spiele wurden zur Massenbeschäftigung und die Hersteller stellten sich entsprechend um. Die Beispiele sind zahllos: Mit den Smartphones kamen einfache, aber hochgradig süchtig machende Spiele wie Angry Birds und Candy Crush Saga, am PC gab und gibt es dank Browser-Erweiterung plötzlich riesige Rollenspiele kostenlos, online locken Casinos mit so vielen Spielen und Willkommensboni, dass das Glücksspiel zum ewig andauernden Trend für jedermann avancieren konnte.

In diesem schnelllebigen Umfeld ist es für tiefgehende Spiele wie Fußballmanager schwer, sich zu behaupten. Tot ist das Genre allerdings nicht: Wie diese Übersicht zeigt, gibt es sogar viel mehr Managerspiele als früher. Dabei handelt es sich jedoch nicht um klassisch hergestellte Vollpreisspiele wie Anstoss, sondern um flotte Browsergames, ganz typisch kostenlos und mit einfachem Zugang. Fußball-Fans, die gleichzeitig auf Managersimulationen stehen, gehen also nicht ganz leer aus.

Und auch traditionelle Spieler dürfen hoffen. Mit dem Football Manager 2018, der sehr gut bewertet wurde, gibt es inzwischen auch wieder einen richtigen Vollpreistitel. Dieser stammt aus England, dem Mutterland des Fußballs also. Die Erlösung deutscher Manager-Fans macht also auch sportgeschichtlich durchaus Sinn.

  • Quelle: Redaktion

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