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Paukenschlag: Dan Houser verlässt Rockstar Games

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12.02.2020 - Rockstar Games verliert einen seiner Gründer. Dan Houser wird das Unternehmen am 11. März 2020 verlassen. Dies gab Mutterkonzern Take 2 bekannt. Die Gründe für den Rückzug des Cheftautoren sind unbekannt. Allerdings hatte sich sein Abschied bereits angedeutet. Seit dem Frühjahr 2019 nahm er sich eine Auszeit. Die Folgen für die Entwicklung von GTA VI sind noch nicht abzusehen.

Dan Houser war der kreative Kopf hinter den aktuellen Rockstar Games

Dan Houser gründete Rockstar Games im Jahr 1998 gemeinsam mit seinem Bruder Sam. Letzterer führt den Spieleentwickler derzeit. Dan war Vize-Präsident und für den kreativen Bereich zuständig. Spiele wie Grand Theft Auto V (GTA V) oder zuletzt Red Dead Redemption II entstanden durch sein schriftstellerisches Talent. Eigentlich sollte er auch die Geschichte für GTA VI entwerfen. Durch seine Auszeit seit dem Frühjahr 2019 war dies jedoch nicht möglich. Wie Rockstar Games mit diesem Problem in der Entwicklung des Spiels umging, ist nicht bekannt. Die beiden Houser-Brüder haben nur sehr selten öffentlich über ihre Arbeit gesprochen. Von außen sind die Abläufe beim Spieleentwickler deshalb kaum nachvollziehbar.

Die Rolle eines Autors bei einem Videospiel

Was Gamer oft nicht auf dem Schirm haben, ist, wie zentral die Arbeit der Autoren für ein Spiel ist. Jedes Game hat in der Regel mehrere Schriftsteller. Dies gilt für einfache Casino Games wie beispielsweise Book of Ra sowie für Mammut-Rollenspiele wie Red Dead Redemption II. Neben den Dialogen und den Storyabläufen legen die Autoren im Zusammenspiel mit dem Regisseur beispielsweise wesentliche Spielemechaniken fest. Sie beschreiben in der Regel auch die Optik von Figuren sowie Spielelementen. Um ein Beispiel zu geben, was dies konkret an Arbeit bedeutet, seien einige Fakten zu Red Dead Redemption II genannt.

  • Das Spiel besitzt mehr als 500.000 Dialogzeilen.
  • Hätte man das Skript auf DIN A4-Blättern ausgedruckt und gestapelt, wäre der Papierberg fast drei Meter hoch gewesen.
  • Allein die Skripts der NPCs waren durchschnittlich 80 Seiten lang.
  • Geschrieben wurde das Spiel von lediglich vier Personen.

Weshalb ist Houser gegangen?

Wie oben beschrieben, existiert keine offizielle Begründung für Housers Ausstieg aus seinem eigenen Unternehmen. Drei Gerüchte kursieren allerdings im Netz, die den Schritt von Rockstars Chefautoren erklären könnten. Der Wahrheitsgehalt ist allerdings in allen Fällen fragwürdig. Dies sei der Erläuterung der Gerüchte vorausgeschickt.

Houser ist möglicherweise ausgebrannt

Die gängigste Theorie dreht sich darum, dass Houser nicht mehr die Kraft in sich spürt, um in seiner bisherigen Rolle weiterzuarbeiten. Red Dead Redemption II war für das Autorenteam extrem anstrengend. Im Frühjahr 2018 arbeiteten Houser und seine Kollegen mehrere Wochen 100 Stunden, um das Projekt rechtzeitig fertigzustellen. Es war deshalb auch niemand sonderlich überrascht, als der Chefautor nach der Veröffentlichung des Spiels um eine längere Auszeit bat.

Houser zieht sich aufgrund der massiven Kritik zurück

Die langen Arbeitszeiten, in der Branche „Crunch“ genannt, hatten zu massiver Kritik an Rockstar Games geführt. Houser selbst hatte diese noch verschlimmert, indem er öffentlich äußerte, dass „harte Arbeit nicht für jeden geeignet ist.“ Später wollte er sich diesbezüglich missverstanden fühlen. Zu diesem Zeitpunkt war es allerdings bereits zu spät. Rockstar Games wurde vielerorts zum Sinnbild für amoralische Praktiken in der Videogame-Industrie. Hinzu kommt die Kritik, die ohnehin an den Spielen des Hauses geäußert wird. Gewalt und Sexualität sind charakteristisch sowohl für die GTA-Serie wie auch für die Red Dead Redemption-Reihe. Ein Gerücht besagt, dass Houser nicht länger für seine Arbeit angefeindet werden möchte.

Hat Houser ein neues Projekt?

Das letzte Gerücht geht davon aus, dass Houser der Branche erhalten bleibt, nur eben an anderer Stelle. Er könnte beispielsweise ein neues Studio gründen oder sich einem der großen Entwickler anschließen. Dem kann allerdings entgegengehalten werden, dass dies eigentlich öffentlich gemacht wird. Möglicherweise wird dies nach Housers Abschied am 11. März nachgeholt.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Börsenkurs von Take 2 stürzte nach dem Bekanntwerden von Housers Abgang ab. Das Unternehmen bemühte sich deshalb sogleich, öffentlich zu erklären, dass Bruder Sam bleiben und Rockstar Games weiterhin leiten werde. Brancheninsider gehen allerdings davon aus, dass es zu massiven Veränderungen kommen wird. Jason Schreier von „Kotaku“ twitterte beispielsweise, dass Housers Abgang „zweifelsohne viele Nachwirkungen haben wird.“ Man darf als geneigter Gamer also gespannt sein, was jetzt bei einem der besten Spieleentwickler überhaupt passiert.

  • Quelle: Redaktion

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