Wie sich Google still und heimlich von Stadia verabschiedet
22.03.2022 - Erst 2019 ist Google in das Videospielgeschäft eingestiegen, nur knapp über drei Jahre später scheint Google der Games-Welt langsam, still und heimlich wieder den Rücken zu kehren. Nachdem Googles Cloud-Gaming-Plattform Stadia Ende 2019 herauskam und einen holprigen Start hingelegt hatte, scheint der Service beim Tech-Riesen jegliche Erwartungen und Ziele massiv untertroffen zu haben.
Insider-Berichten zufolge stellt Google den Games-Service für Verbraucher jetzt auf die Rückbank und wird sich dagegen auf B2B-Services für dritte Parteien spezialisieren, wie Business Insider kürzlich berichtete.
Diese Entwicklungen stehen vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Branche. Es zeichnet sich ein stetiger Trend in Richtung Online-Dienste ab, mit denen Spieler auf eine breite Bibliothek an Spielen zugreifen können, anstatt einzelne Titel erwerben zu müssen. Dieses Modell ist im Bereich der Browserspiele längst etabliert, wo Spieleplattformen mit einer großen Spielpalette gang und gäbe sind. Dies zeigt sich im Browser bei zahlreichen Spielgenres, von Minispielen über Spielklassiker bis hin zu Strategiespielen. Gelegenheitsspieler finden jede Menge Spielbibliotheken mit Games zum Zeitvertreib zwischendurch, während Fans von Klassikern auch Gesellschaftsspiele jeglicher Art im Browser finden. Dies zeigt sich auch im Bereich traditioneller Casinospiele wie Spielautomaten, die heutzutage vielseitig im Internet verfügbar sind. Es entstehen beispielsweise regelmäßig neue Online Casinos, die auf modernen Plattformen zahlreiche Casinospiele direkt im Browser zur Verfügung stellen. Experten haben es sich bereits zur Aufgabe gemacht, die besten Anbieter auf dem Markt zu analysieren und zu bewerten, um die Plattformen mit der größten Spieleauswahl und den besten Angeboten für Nutzer auffindbar zu machen und Spielern die Wahl zu erleichtern.
Der Vorteil dieses Modells der Browserspiele ist, dass Spieler direkt mit wenigen Klicks zwischen verschiedenen Spielen auswählen und unterschiedliche Titel einfach ausprobieren können, anstatt einzelne Titel zum Vollpreis zu erwerben und auf lange Downloads warten zu müssen. Was im Bereich der Browsergames begann, hat sich in den letzten Jahren auch bei den Konsolen- und PC-Titeln durchgesetzt. Immer mehr Spiele werden jetzt in breitgefächerten Online-Bibliotheken bereitgestellt, in denen Spieler einfach stöbern und verschiedene Games spielen können. Über Abonnements mit einer monatlichen Gebühr müssen einzelne Titel nicht erworben werden. Services wie der Xbox Game Pass und PlayStation Now sind im Rahmen dessen gang und gäbe. Auch die Cloud-Gaming-Plattformen wie Google Stadia fallen in diese Kategorie und spiegeln den anhaltenden Trend der Online-Gaming-Dienste eindeutig wider. Dennoch scheint sich Google nun für eine andere Richtung zu entscheiden.
Google war 2019 noch auf den Zug des Online-Gaming aufgesprungen und hatte erstmals einen gewaltigen Schritt in den Gaming-Markt gewagt. Mit Google Stadia machte der Tech-Konzern große Ankündigungen und versprach, die Gaming-Welt zu revolutionieren. Doch hinter den großen Tönen steckte, im Gegensatz zu Konkurrenten wie Amazon, die kürzlich Lost Ark veröffentlicht haben, im Endeffekt scheinbar nur heiße Luft. Zwar legte sich Google anfangs noch ins Zeug, um AAA-Titel wie Red Dead Redemption 2 für Millionenbeträge für die Cloud-Gaming-Plattform zu sichern, doch schon bald folgte die Kehrtwende. Nur etwa ein Jahr nach dem Launch von Stadia schloss Google unerwartet wieder das frisch ins Leben gerufene hausinterne Spieleentwicklerstudio Stadia Games & Entertainment. Es war der erste von diversen Schritten, die Google wieder aus der Gaming-Sphäre herausholen.
Stadia war unter den ersten Vertretern der Cloud-Gaming-Plattformen, doch die hohen Erwartungen wurden um Längen verfehlt. Google hatte geplant, über die Cloud AAA-Titel selbst ohne Gaming-Hardware in die Wohnzimmer und auf die Mobilgeräte der Spieler zu bringen, konnte seine Versprechen aber nicht wahr machen und somit Spieler auch nicht auf der Plattform halten. Nachdem das hauseigene Entwicklerstudio wieder abgeschafft war, wollte Google stattdessen Titel von bestehenden Publishern auf die Plattform bringen. Zwar wurden 2021 noch 100 neue Spiele auf Stadia gebracht und auch für 2022 stehen zahlreiche neue Games auf der Liste, doch nun scheint Google die Games-Abteilung nochmal zurückgestuft zu haben.
Dem Bericht von Business Insider zufolge wendet Google seinen Fokus jetzt von Videospielen ab. Statt mehr Ressourcen in den Gaming-Bereich zu stecken, will sich Google jetzt allem Anschein nach darauf konzentrieren, Deals mit dritten Parteien zu schließen. Mit dem B2B-Fokus will Google mit der Stadia-Streaming-Plattform anderen Unternehmen helfen, ihre Services und Games für Nutzer verfügbar zu machen. Berichten zufolge soll Google bereits mit Peloton einen Deal geschlossen haben. Google soll demzufolge dem Anbieter von Workout-Streams im Backend die nötige Technologie liefern, um Spiele verfügbar zu machen. Außerdem soll Google Aussagen zufolge auch mit Spielentwickler Bungie im Gespräch über eine Streaming-Plattform sein. In diesem B2B-White-Label-Modell wird die Streaming-Technologie von Google allerdings nicht unter dem Namen Stadia angeboten, sondern unter der Marke „Google Stream“. Während sich die Bemühungen im Gaming-Bereich für den Internetriesen nicht gelohnt zu haben scheinen, kann Google mit dem White-Label-Geschäftsmodell für B2B-Kunden zumindest einen Teil der Ressourcen und Technologien retten, die bereits in Google Stadia gesteckt wurden.
Google hat sich im Bereich der Videospiele versucht, scheint nun aber eine Kehrtwende hinzulegen. Zwar ist davon auszugehen, dass Google Stadia nicht schon bald von der Bildfläche verschwinden wird, doch es ist offensichtlich, dass sich Google aus dem Gaming-Bereich still und heimlich zurückzieht. Mit einer neuen Ausrichtung soll die Stadia-Technologie nun dritten Parteien als Plattform zugutekommen.