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Vom Kultfilm zum Kultgame

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13.08.2019 - Das Medium Film bietet uns in jeder Stimmung eine Auszeit vom Alltag - ob es in Phantasiewelten geht, Abenteuer bestritten werden oder eine Naturkatastrophe verhindert werden muss. Während eines guten Films vergessen wir die Welt um uns herum. Doch auch Computerspiele haben das Potenzial, uns tief in ihren Bann zu ziehen.

Viele Computerspiele, die in den letzten Jahren auf der Basis von Filmen herausgebracht worden sind, sind nicht gut. Eine schwammige Grafik, schlechte Steuerung, lieblose Umsetzung oder ein zäher Spielverlauf sorgen dafür, dass die Spiele oft wenig Spaß machen.

Dennoch sind sie wirtschaftlich häufig sehr erfolgreich, da die Kinofans sich noch weiter mit einer guten Geschichte befassen wollen und auf die Weiterentwicklung der Filmcharaktere oder Szenen hoffen. Die Aufschrift „das Spiel zum Film“ zieht meistens schon zahlreiche Käufer an, ohne dass bereits explizit Werbung für dieses Spiel gemacht wurde. Die Weiterentwicklung von Charakteren und das Fortspinnen der Handlung gelingen aber nicht immer.

Wieso sind viele Computerspiele zum Film schlechter als die Leinwandvorlage?

Die Gründe für diese häufig schlechten Adoptionen liegen auf der Hand:

  • Für die Spielentwicklung wird meist nicht mehr so viel Geld investiert, wie in die Filmproduktion.
  • Die Geschichte ist mit dem Film in der Regel auserzählt. Filme dauern im Schnitt zwei Stunden, Computerspiele sollten Stoff für deutlich mehr Stunden bieten. Die Story wird dann künstlich gestreckt und häufig durch immer wiederkehrende Kampfszenen in die Länge gestreckt, was die Dynamik nimmt und das Spiel zäh werden lassen.
  • Die Filmvorlage wirkt wie eine klare Begrenzung, bei der es schwer ist, etwas Eigenes zu entwickeln. Zu starr sind die Vorgaben und der Rahmen, in dem sich die Entwickler bewegen. Dabei machen gerade die Ausreißer, bei denen sich von der Vorlage gelöst wird, Spiele interessant – diese Umsetzungen gelingen aber nur selten.

Versäumnisse am Beispiel „Ein Quantum Trost“: James Bond als Ego-Shooter

Häufig werden die Handlungen mehrerer Filme zu einem Spiel zusammengefasst. Dies kann gelingen oder auch nicht. Ein Beispiel für einen Mix ist das Spiel „Ein Quantum Trost“ aus der James Bond Reihe. Das Spiel setzt am Ende des Filmes „Casino Royale“ an und vermischt dann die Inhalte dieses Films mit denen aus dem Nachfolger „Ein Quantum Trost“. Die Handlung schaltet immer wieder zwischen den beiden Filmen hin und her und Spieler finden sich sowohl in Verfolgungsjagden als auch in Kampfszenen wieder.

Die berühmte Casino-Szene, in der gepokert wird, hat ebenfalls ihren Platz im Spiel gefunden und wer sich mit Poker auskennt oder vielleicht sogar schon Erfahrungen im Mr. Green Casino gesammelt hat, wird sich über diesen Teil des Spiels freuen. Der Rest erinnert eher an einen etwas eintönigen Ego-Shooter mit einem unsympathischen Charakter und lässt nur an wenigen Stellen richtiges „Bond-Feeling“ aufkommen.

Diese Spiele zum Film gibt es noch

Weitere Filme, die zu Computerspielen verarbeitet wurden, sind:

  • King Kong
  • Matrix
  • Indiana Jones
  • Star Wars
  • Herr der Ringe
  • Harry Potter

Besonders in den Star Wars-Spielen ist es den Entwicklern gelungen, den Rahmen des Films zu durchbrechen und angemessen zu erweitern. Dadurch verliert das Spiel an Starre und bringt Star Wars-Fans einen tatsächlichen Mehrwert.

Der Film-Epos „Herr der Ringe“ hingegen liefert wieder ein Negativ-Beispiel. Das Spiel „Schlacht um Mittelerde 2“ bietet zwar viel Strategie, allerdings eine langatmige und teilweise etwas absurd wirkende Story. Immerhin ist die Grafik sehr gut und auch die Spielmechanik wirkt ausgefeilt, weshalb das Spiel für Fans und auch Nicht-Fans trotzdem den Kauf wert ist.

Die Matrix-Spiele aus den 00er-Jahren fielen gänzlich durch und enttäuschten mit einer schlechten Steuerung, schwacher Grafik und einfallslosen Sequenzen. Auch die weiteren Filme konnten nicht an den Erfolg des ersten Films anknüpfen, einige schoben es sogar auf die schlechten Computerspiele, die zwischenzeitlich erschienen sind.

Vom Film zum Spiel: So können Entwickler punkten

Die besten Computerspiele entstehen dann, wenn Entwickler ihre eigenen Geschichten kreieren können und sich frei von Vorgaben und Rahmen bewegen können. Daher ist es im Zuge von filmischen Adaptionen umso wichtiger, den Film als Film zu betrachten und das Spiel so losgelöst wie möglich davon zu entwickeln.

Die Handlung eines Computerspiels sollte eigenständig geschaffen und nicht einfach nur adaptiert werden. Jedes Medium hat seine ganz eigenen Vorzüge und Schwächen und als Computerspiel-Entwickler sollte man sich der feinen Unterschiede zwischen Spiel und Film bewusst sein.

  • Quelle: Redaktion

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